George Williams

In einem abgelegenen Bauernhof im Südwesten Englands kam George Williams 1821 zur Welt. Hier lebte seine Familie in grosser Einfachheit. Statt aus Tellern assen sie aus Mulden in der Tischplatte. George war der Jüngste von acht Buben. Mit seinen drolligen Spässen brachte er seine Brüder ständig zum Lachen. Doch wie hätten diese erst gelacht, wenn jemand behauptet hätte, dass dieser Knirps einst in den Adelsstand erhoben würde! Mit 13 Jahren arbeitete er auf dem väterlichen Hof. Seine Brüder aber rümpften die Nase: "Der gibt keinen rechten Bauer!" Und als er einmal mit einem Heufuder im Graben landete, wurde er einem Tuchhändler in die Lehre gegeben.

Eine Entscheidung fürs Leben

Wütend knallte er als Lehrling seine Faust auf den Tisch und fluchte, wenn ihm etwas misslungen war. Einmal schaute er seine beiden Mitlehrlinge an: "Warum flucht ihr nie? Macht euch das nicht rasend?" "Doch", antwortete der eine, "aber Gott hilft uns, dass wir uns beherrschen können." Verblüfft schaute George ihn an, murmelte aber nur "Blast!" Heimlich imponierten ihm die tapferen Kerle. Er fing an über sein Leben nachzudenken. Als er mit 16 einmal ganz hinten im Gottesdienst sass, traf ein Bibelvers mitten in sein Leben. Wie ein Scheinwerfer zündete die Bibel in sein Inneres hinein, und er erschrak. Er rannte in den Tuchladen, warf sich in einer Ecke auf die Knie und versprach Gott: "Von jetzt an will ich dir gehören." Er war von Freude erfüllt wie noch nie. Nun wusste er: Das Wichtigste, was es im Leben zu tun gibt, ist, Mitmenschen für Christus zu gewinnen.

 

Nichts wird ihm geschenkt

"Der junge Mann ist mir zu klein", sagte achselzuckend der Chef eines grossen Londoner Handelshauses, als George Williams ihm von seinem älteren Bruder vorgestellt wurde. Der Bruder liess nicht locker: "Klein ist er wohl, aber tüchtig." - "Gut, ich will es mit Ihnen versuchen", gab der Chef nach. Eine harte Zeit als Verkäufer begann. Es war kein Spass, von morgens 7 bis abends 9 Uhr im obligatorischen schwarzen Anzug mit weisser Halsbinde den Kunden ein Freundliches Gesicht zu zeigen. Es gab nur eine kurze Mittagspause. Die jungen Gehilfen mussten im Geschäftshaus schlafen, mehrere in einem kleinen schlecht gelüfteten Raum, immer zwei im selben Bett. Und am Abend wussten sie nichts Besseres zu tun, als im Wirtshaus zu sitzen.


Menschen gewinnen

Das wollte George Williams ändern. Er fand einen gleichgesinnten Freund und bald waren es drei, vier, zehn, die regelmässig zusammenkamen. Die "ansteckende Gesundheit" packte einen nach dem andern. Nur einer liess sich nicht anstecken. Er war Vorsitzender einer Art von Vergnügungsklub und hatte eine boshafte Freude, den verhassten "Frömmlern" die Jungen abspenstig zu machen. "Du wirst doch nicht zu diesen stumpfsinnigen Betbrüdern gehen? So blöd wirst du nicht sein, einen Abend lang über der Bibel zu hocken! Komm zu uns, da geht es toll zu und her! George Williams betete mit seinen Freunden für jeden, der sich noch nicht für Christus entschieden hatte. Einmal aber sassen sie recht entmutigt beisammen. Wie sollten sie mit jenem Gegner fertig werden? "Wir müssen ihn gewinnen!", meinte George Williams hartnäckig. Keiner wusste Rat. Da fragte Williams: "Wofür interessiert er sich eigentlich?" - "Austern", war die Antwort. "Überhaupt: Lustig sein, gut essen, nur nichts Ernsthaftes ..." - "Gut, laden wir ihn zu einem Austernessen ein!" Und der Gegner nahm die Einladung an. Er hatte erwartet, sie würden ihm den ganzen Abend die Hölle heiss machen und ihn zu bekehren versuchen. Er hatte sich schwer getauscht. Er musste wohl oder übel zugeben, dass er einen sehr fröhlichen Abend verbracht hatte. Und die Austern hatten ausgezeichnet geschmeckt... Und jener ehemalige Spötter wurde später einer von den zwölf Gründern desCVJM.